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Stilles Gedenken an die Novemberpogrome

Die Vorsitzende des Vereins Dr. Ina Germes-Dohmen fand zur Einführung mahnende Worte, denn auch 80 Jahre nach den Novemberpogromen gebe es in unserem Land noch immer fremdenfeindliche, rechtsextreme, rassistisch motivierte Angriffe auf Menschen. „Gewalt gegen Menschen und ihr Eigentum, Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Abstammung, ihrer Religion, ihrer Ethnie, haben in unserm Land, in unserer Stadt nichts zu suchen,“ erklärte Germes-Dohmen.

Auch die Rednerin Ulla Gessner, früher Lehrerin an einem Krefelder Gymnasium, die vor Jahren „der Liebe wegen“ nach Israel auswanderte, erinnerte an die Zeit des Nationalsozialismus. „In Deutschland wurde damals die Tür zum Hass geöffnet. Der Hass durfte wachsen.“  Das können immer wieder geschehen. Doch sie berichtete auch von den Erlebnissen in Israel, davon, wie Menschen ihr ihre eigenen Geschichten erzählten und wiederum ihre Geschichte erfahren wollten. Ihre Geschichte, die eine belastete ist, da ihr Vater nicht nur Waffenproduzent war, sondern sogar Gasbehälter für Auschwitz produziert hatte. Aber ihre neuen Freudinnen in Israel trugen ihr das nicht nach. Ihr eigenes Gefühl, dass der Vater seine Schuld auf sie abgeschoben habe, wurde von ihren Freundinnen nicht bestätigt. "Du kannst nichts für Deinen Vater. Du hast keine Schuld." Weil die Freundin ihren Schmerz mitfühlte, habe sie vor Erleichterung weinen müssen. Was es für eine Kraft kostet, weiter zu leben nach all den erniedrigenden Erfahrungen und Schmerzen, das habe sie erst in Israel erfahren. Die Erinnerung an diese Zeit des Holocauts könne und solle uns stärken, um zu handeln, um hinzusehen, um nachzudenken und Fragen zu stellen. Die Erinnerung können helfen, aufeinander zuzugehen und den anderen Menschen kennenzulernen und seine Ängsten, Freuden und Niederlagen. Nur so könne man widerstandsfähig werden gegen das Böse , gegen Fanatismus und Hass.

Bei den Saxophonklängen von Lucas Brux blieben die Menschen noch lange still stehen. Die verzeihenden und so tröstlichen Worte der israelischen Freundinnen an die Rednerin klangen wohl in vielen noch nach.

 

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Alles Fotos: Friedhelm Reimann

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